Reisebericht Nummer 18 - Kuba          

@planet_bossi
                          
 

San Jose, 14. August 2000

Kuba (18. Juli bis 13. August 2000)

Kuba Reiseroute

 

Che Guevarra

Kuba, das Land des Fidel Castros und des Heros Che empfang mich doch schon richtig ehrenvoll. Die Zollbeamten durchsuchten mich und mein Gepaeck nach Drogen. Natuerlich hatte ich nichts und sie wussten dies auch, aber das Interesse an einem meiner Schweizer Sackmesser liessen mich weiterwarten. Ist ja klar, dass all die armen Staatsangestellten (darunter auch alle Akademiker) mit einem Durchschnittslohn von ca. 15 US Dollar pro Monat auf ein Nebenerwerb angewiesen sind und deshalb auch sichtlich korrupt sind. Fazit, ich musste ein Messer loswerden um einzureisen!

Trinidad

Mein erster Eindruck von diesem kommunistischen Lande war beeindruckend. Die Kolonialstadt Trinidad mit all ihren alten Amischlitten aus den 60er versetzte einem ein paar Jaehrchen zurueck. Das Leben spielt sich auf der Strasse ab und von ueberall her hoert man die Rhythmen von Salsa und es ist nicht selten, dass man die Kubaner auf der Strasse tanzen sieht. Was gehoert noch zu Kuba - richtig, Zigarren und guter Rum und so setzten wir uns abends jeweils auf die Strasse und tranken einen Cuba Libre und rauchten eine kubanische Zigarre. Dem Schwarzmarkt sei dank, dass man ueberhaupt zu einigermassen guenstigen Cohibas kommt.

Kinder

Das teuerste und billigste Reiseland fuer mich ueberhaupt. Wieso? Die Kubaner haben noch immer Rationenbuechlein und bekommen eine bestimmte Menge Essen und Ware monatlich zugesprochen zu guenstigen Pesopreisen. Die Laeden sind jedoch oft leer und die Leute stehen auch gerne mal Schlangen, um eine Seife oder was auch immer zu kaufen. Den Rest zum Ueberleben muessen sie sich auf dem teureren Markt kaufen gehen oder gar in Dollarlaeden und auch dort ist die Auswahl nicht ueberwaeltigend. Aber zumindest kriegt man dort auch mal Pasta oder mehr Reis und Limonaden, doch die Preise dafuer sind dann doch sehr saftig. Und so verwundert es einem auch nicht, wenn alle die Touris melken wollen mit Dollar und somit fuer alles viel bezahlt werden muss. Und seit 1993 der Besitze von Dollar gestattet ist, ist es noch viel schlimmer und so werden die Reichen immer reicher und die einen dadurch auch zu aufdringlich. Dafuer sind Eiscreme, Strassenpizzas und Kinoeintritte absolut billig - fuer ca. Fr. 0.10 je und das Eis ist spitzenmaessig gut!

Autos von heute...

Viel ist verboten, denn schliesslich will die Regierung alles unter Kontrolle haben und Geld einsacken. Somit sind die Transportmittel fuer die Touris ziemlich teuer, auch wenn im Zuge in der gleichen Klasse faehrt wie die Einheimischen zahlt man gut und gerne das Zwanzigfache. Privatautos etc. duerfen einem nicht mitnehmen und wohnen darf man auch nur in offiziellen Unterkuenften. Doch was interessierte und dies. Da der offizielle Touribus schon ausgebucht war und wir unbedingt nach Santiago wollten, heuerten wir einen Privatwagen an und es ging mit einem Ford Country 1957 waehrend zehn Stunden Richtung Sueden. Ab und zu wieder mal ein Stop und nachfragen wie es aussieht mit Polizeiposten und Strassenkontrollen.

Beim Carneval wird ueberall getanzt

In Santiago de Cuba kam ich doch noch zu meinem Carneval. War das toll. Und dort trafen wir auf einen einzigen netten Kubaner, der einmal nicht Absichten auf unser Geld hatte. Er lud uns ein, zusammen mit ihm und seiner Familie den Carnevalumzug zu sehen. Dank dem Klassensystem waere ich als Tourist auf dieser Tribuene nicht erlaubt gewesen, doch der alte Revolutionaer zueckte seine ID und kein Problem. Der Umzug war amuesant. Danach war Strassenfest angesagt. Es gab unzaehlige Spanferkel und billiges Bier (7 dl fuer Fr. 0.25) und dies ohne Rationenbuch und so verwundert es einem auch nicht, dass hier die Kubaner wie Tiere auf den Offenausschank stuermten. Musik die ganze Nacht und die Schwarzen Leute waren gluecklich und zufrieden und liessen ihre Huefte schwingen zu Salsaklaengen. Was fuer ein Erlebnis...

Havana

Nach ein paar ruhigen Tagen in kleinen Ortschaften gings nach Havana. Eine faszinierende Stadt und ein grosses Museum voll mit alten Kolonialbauten. Ob Kuba sicher sei? Auf jedenfall. Hier in der grossen Hauptstadt steht beinahe an jeder zweiten Kreuzung Tag und Nacht ein Polizist. Selbstverstaendlich werden viele Personenkontrollen durchgefuehrt, schliesslich muss man ja wissen, wer mit wem in diesem Lande verkehrt und Plaene schmiedet... Busfahren und Schlangestehen sind ein spezielles Erlebnis und das letztere ist eines der besten Systeme der Welt. Bevor man sich an eine bestehende Schlange ansteht, fraegt man "el ultimo" - wer ist der letzte und so weiss man immer, wenn man drankommt und muss deshalb nicht stur stundenlang in einer Reihe warten. Kultur pur - und so besuchte ich eine Flamencoauffuehrung in einem wunderschoenen alten Theater aus dem Jahre 1853 - einfach passend in diesem Lande!

Dann gings fuer ein paar Tage an einen wunderschoenen Karibischen Strand - einfach bezaubernd. Das Tauchen war einzigartig und absolut relaxt. Was gibt es schoeneres als nach einem tollen Tauchgang mit Supersicht auf der Rueckfahrt gemuetlich Fisch zu essen und einen Mojito zu trinken? Nichts. Ausserdem hielten mich zwei Oesterreichische Psychologinnen auf Trab und wollten einfach alles wissen - das ist ja naerrisch... Mit einem alten Ford 1956 gings Richtung Pinar del Rio, zwei Pannen, einmal Radwechsel und etwas mehr Haarstraeubend - die Bremse versagte...

Waehrend der Ansprache von Fidel

Geschichte pur 26. Juli - nachdem ich in verschiedensten Museen alles gelesen habe ueber die Revolution von 1953 bis heute, ueber Che Guevarra und Fidel Castro, was wuenschte ich mir mehr als eine lebendige Geschichtsperson zu sehen? Der Tag kam, an dem die jaehrliche Revolution gefeiert wird. Am fruehen morge klopfte es an die Tuer der Familie, bei der wir wohnten. Ich bekam mit, dass sie aufgefordert wurden, aufzustehen und auf den grossen Platz zu kommen. Es war auch fuer uns langsam Zeit aufzustehen und uns bereit zu machen. Kurz vor sieben in der Frueh verliessen wir das Haus. Wir sahen Hunderte von Leuten Richtung Spektakel stroemen. Jeder erhielt eine kleine Kubanische Flage zugesteckt, auch wir Touris. Da standen wir, umgeben von Tausenden von Leuten. Bei groesster Hitze hoerten wir diversen Vorrednern zu und die Menschenmasse winkte mit ihren Fahnen zu. Ein Militaerhubschrauber liess die warscheinlich mehr als 200'000 Wartenden hoffen. Und tatsaechlich, nach drei Stunden begann die Menschenmasse zu jubeln und winkte dem 74 jaehrigen Fuehrer zu - da stand er, Fidel Castro. Ich stand weniger als 50 m von seinem Rednerpult und konnte es kaum glauben, das Oberhaupt des Sozialismus mit eigenen Augen zu sehen. Gute Worte wurden mit Flagenwinken belohnt und wenn der altersschwache baertige Mann in seiner gruenen Uniform nicht mehr weiterwusste, riefen alle "Fidel, Fidel, Fidel....". Kalt lief es mir jeweils den Ruecken runter, wenn Schlachtrufe aus dem Munde von Fidel und der Masse ertoente wie "Patria o muerte" (Heimat oder stirb!). Ein wunder, dass er nichts erwaehnte von Elian... Wir hatten Glueck, der sonst als langer Redner bekannte Praesident war nach 40 Minuten fertig und wir konnten zurueck in den Schatten!

Sozialismus

Uebrigens besteht ja schon seit Jahren ein Embargo zwischen der USA und Kuba und so ist dieses Land eines der wenigen, wo man nicht auf Coca Cola und McDonalds trifft. Was ja schon ganz sympathisch ist - oder? Fidel vergass natuerlich nicht, auch darueber was zu sagen. Noch ne andere Nebenbemerkung: Wie schafft es der Mann mit dem Bart (so nannten wir ihn dort, da man ja oeffentlich den Namen Fidel nicht zu laut sagen sollte...), dass immer soviele Leute zu solchen Anlaessen kommen - einige Lokale meinten dazu, dass sie bezahlt werden!

Musiker

Den Rest meinen Aufenthaltes verbrachte ich im ruhigen und gemuetlichen Vinales. Eine huegelige Landschaft mit Tabak- und Reisfeldern. Abends sass ich auf der Veranda in einem Schaukelstuhl und sah dem Dorftreiben zu - selbstverstaendlich fehlte auch das Tanzen nicht. Hier genoss ich meine letzten Reisetage bevor es langsam aber sicher zurueck in die Heimat geht. Kuba war ein sensationeller Abschluss...

 

  (c) Bosshard Stefan, Obertor 35, CH-8400 Winterthur