
In unserem luxurioesen zweier Abteil erreichten wir die
Chinesische Grenze und wenige Stunden spaeter erblickten
wir die bompoese Grosse Mauer am Horizont.

Peking war im ersten Moment ein richtiger Kulturschock
- die vielen kleinwuechsigen Leute, der grosse Verkehr,
die modernen Hochhaeuser. Doch nach dem ersten feinen chinesischen
und guenstigen Essen sah schon alles wieder ganz anders
aus. Mit dem Velo wagten wir uns auf Entdeckungstour und
besichtigten bei sommerlichen Temparaturen die Verbotene
Stadt und den Sommer Palast - wunderschoen und eindruecklich,
aber viel zu viele chinesische Touristen. Leider erlebt
diese Stadt keinen Veloboom mehr und so genossen wir es
die Velostrassen unsicher zu machen und machten uns lustig
ueber die Velopolizisten, die einem auf grossen Kreuzungen
mit roten Fahnen zurueckhalten oder -pfeifen.

Nachdem wir einigermassen problemlos zu Zugsbilletten kamen,
gings mit einem Hard Sleeper weiter Richtung Sueden nach
Xian, wo wir die Takotta Armee besichtigten, dies sind 7000
Lebensgrosse Tonsoldaten, die ein Grab bewachen. In dieser
Stadt machten wir Freundschaft mit drei chinesischen Medizinstudenten,
die uns in ihr Heim zum Nachtessen einluden und uns beim
Abschied auf dem Perron reich beschenkten. Ja, die Leute
sind erstaunlicherweise sehr freundlich und offen gegenueber
Touristen und versuchen in Kontakt zu kommen, sei es in
Chinesisch oder Englisch. Doch es gibt auch viele neugierige
Blicke und man wird oft einfach angestarrt.
Die Zugsfahrt in China gleicht einem Ritual. Wartesaal
sitzen und das Gepaeckstueck schoen in einer Reihe aufgliedern,
dann im richtigen Moment aufstehen und draengeln. Ab in
den Zug zum nummerierten Liegebett und sofort das Gepaeck
verstauen, aber aufgepasst, dass Gepaeckstueck darf ja nicht
ueber die Ablage ragen. Auf einigen Bahnhoefen kommen kurz
vor der Abfahrt einige Blueten im Gleichschritt auf dem
Perron daher und salutieren bei der Abfahrt. Als erstes
stellen sich die "Blueten" vor und erwaehnen ihren Rang
und ihre "Orden" und es wird applaudiert. Dann wird das
Billett gegen ein Metallstueck eingetauscht, der Teppich
im Gang wird aufgerollt, heiss Wasser wird ausgeschenkt,
am Abend werden die Schuhe schoen in Reih und Glied gestellt
und die Handtuecher muessen exakt aufgehaengt werden - und
man glaubt es kaum, es gibt ein Gaestebuch wo man Gutes
und Schlechtes ueber die Mannschaft eintragen kann...
Ausserhalb von Chengdu sahen wir unsere ersten Pandas -
herzig diesen drolligen Baeren beim Spielen zuzuschauen.
Es ist schade, dass diese vom Aussterben bedroht sind.

Weiter gings nach Lijiang, diese schoene Stadt liegt nahe
der Tibetischen Grenze und liegt auf ueber 2000 m Hoehe.
Die fantastische Bergwelt mit dem 5500 m hohen Jade Dragon
Snow Mountain im Hintergrund ist wunderschoen. In dieser
Kleinstadt lebt die Chinesische Minderheit Naxi, die noch
immer mit ihren schoenen Trachten durch die Gassen ziehen.
Im nahe gelegenen Dali lebt eine weitere Minderheit - Bai.
Dort besuchten wir einen nicht touristischen Markt und waren
wirklich begeistert von dieser Farbenpracht und den Einheimischen,
was die alles anboten.

In Kunmning (Schwesterstadt von Zuerich) gerieten wir an
die Internationale Gartenschau Expo 99. Wunderschoene Ausstellung,
dort besuchten wir natuerlich den Schweizerstand und wurden
prombt zu einem Cafe eingeluden - ja, wir erfuhren wirklich
tolle Stories ueber die Zusammenarbeit mit den Chinesen...
Und leider machten wir in dieser Stadt die ersten negativen
Erfahrungen, wie zuviel bezahlen, nichts verstehen, denn
die Schrift ist ja wirklich nicht ganz einfach und unfreundlich,
aber auch hier gab es Ausnahmen und so kamen wir zum erstenmal
zu Kommissionsfreien Tickets, sprich zu Chinesischem Tarif!

Guilin bzw. Yangshuo war der Hoehepunkt von China. Die
atemberaubende Landschaft mit den spitzen Bergen, den Reisfeldern
und dem Lijiang River ist bezaubernd und wir genossen das
Velofahren durch diese schoene Gegend. Die Leute hier leben
sehr einfach und es scheint, dass deren Hauptaufgabe es
ist tagein tagaus auf ihren Wasserbueffel acht zu geben
und diesen herumfuehren. Ausserdem fehlte eine kleine Hoehlenexpedition
nicht, mit Kopflampe ausgeruestet gings in einen kleinen
Fluss und dann durch eine kleine Oeffnung am Fusse eines
Berges in die Wasserhoehle - einmalig und abenteuerlich,
denn in dieser 6 km langen Hoehle gibt es kein kuenstliches
Licht und es geht zum teil Bauchtief durch das Berginnere
- wow.
Nach 16500 km Zugsfahrt und einer Gesamtzeit von
11 Tagen und 18 Stunden von Zuerich aus erreichten wir Hong
Kong.

Wie jederman weiss gehoert Hong Kong seit 1. Juli 1997
zu China - denkste! Passkontrolle hiess es und schon hatten
wir den Exitstempel in unserem Chinavisum, gemaess Aussage
des Zollpersonales sei dies eine Uebergangsloesung (na ja,
man war ja eigentlich schon sehr lange auf dieses Datum
eingestellt oder nicht?), somit erloeschte sich unser Traum
mit dem Zug weiter durch China nach Vietnam zu fahren. Und
so muessen wir halt das Flugzeug nach Hanoi nehmen... Ueber
diese Grossstadt muss ich glaub ich nichts erzaehlen, die
ist ja Weltbekannt und die Skyline vom Victoria Peak ist
ueberwaeltigend! Doch gerade heute stecken wir im 14. Stockwerk
unseres kleinen Guesthouseraumes inmitten von Hong Kong
fest, der Grund ist ein Typhoon Staerke 10 (Windgeschwindigkeit
ca. 150 km/h) und die Strassen sind frei von Autos und Leute
und wir hoffen dass wir uebermorgen weiter nach Hanoi fliegen
koennen...